
Teherans Raketen leben weiter: Wie Washingtons Triumphmeldungen ins Wanken geraten
Es ist eine Nachricht, die im Weißen Haus für Zähneknirschen sorgen dürfte: Das iranische Raketenarsenal soll nach Erkenntnissen amerikanischer Geheimdienste die massiven Luftschläge der USA und Israels deutlich besser überstanden haben, als die offiziellen Verlautbarungen aus Washington bislang glauben machen wollten. Was als militärischer Knockout verkauft wurde, entpuppt sich nun offenbar als handfester Etikettenschwindel.
70 Prozent des Arsenals – die unbequeme Wahrheit
Wie führende US-Medien unter Berufung auf interne Geheimdiensteinschätzungen berichten, verfüge das Regime in Teheran nach wie vor über rund 70 Prozent seines Raketenbestands aus der Vorkriegszeit. Bei den mobilen Abschussrampen, jenen schwer zu fassenden, beweglichen Trägersystemen, sollen sogar zwischen 70 und 75 Prozent funktionsfähig geblieben sein. Eine Zahl, die im krassen Widerspruch zu jenen Triumphgesängen steht, die noch vor wenigen Wochen aus dem Pentagon zu vernehmen waren.
Besonders pikant: Iran habe demnach wieder operativen Zugriff auf 30 von 33 Raketenstandorten entlang der strategisch hochbrisanten Straße von Hormus. Auch die unterirdischen Lagerstätten und Abschussanlagen seien laut den Mai-Einschätzungen der amerikanischen Dienste in weiten Teilen wieder zugänglich. Wer sich mit militärischer Logik auch nur am Rande beschäftigt, weiß, was das bedeutet: Die Mullahs sind keineswegs am Boden, sie haben sich lediglich geduckt.
Trumps Wutausbruch und Hegseths Größenwahn
Der US-Präsident reagierte erwartungsgemäß dünnhäutig. Auf seiner Plattform Truth Social wetterte Trump, derartige Berichte seien „praktisch Verrat" und würden dem Iran „falsche Hoffnung" geben. Ein klassischer Reflex, wenn die eigene Erfolgserzählung ins Wanken gerät. Statt die unbequemen Fakten anzuerkennen, wird der Bote ins Visier genommen.
Verteidigungsminister Pete Hegseth hatte die Operation „Epic Fury" Anfang April noch in geradezu hollywoodreifen Tönen beschrieben. Das iranische Raketenprogramm sei „praktisch zerstört", Abschussrampen, Produktionsanlagen und Bestände seien „nahezu vollständig wirkungslos" gemacht worden, ließ er damals verlauten. Nüchtern betrachtet wirken solche Aussagen heute wie eine PR-Inszenierung, die mehr mit politischer Selbstvergewisserung als mit militärischer Realität zu tun hatte.
Quellenkritik bleibt geboten
Bei aller berechtigten Skepsis gegenüber dem Pentagon-Narrativ darf freilich auch die andere Seite der Medaille nicht ausgeblendet werden. Sowohl die New York Times als auch die Washington Post pflegen seit Jahren eine kaum verhohlene Abneigung gegen Donald Trump. Wer die Berichterstattung dieser Blätter über die vergangenen Jahre verfolgt hat, der weiß: Hier wird selten eine Gelegenheit ausgelassen, dem Republikaner publizistisch eins überzubraten. Das mindert nicht zwingend den Wahrheitsgehalt der Geheimdienstinformationen, gebietet aber jene quellenkritische Distanz, die in deutschen Mainstream-Redaktionen leider weitgehend abhandengekommen ist.
Bereits Ende März hatte die Nachrichtenagentur Reuters unter Berufung auf US-Vertreter berichtet, Washington könne lediglich die Zerstörung eines Drittels des iranischen Raketenarsenals mit Sicherheit bestätigen. Ein weiteres Drittel galt als möglicherweise beschädigt oder unter Trümmern verschüttet. Die jetzt durchgesickerten Einschätzungen passen in dieses Bild deutlich besser als Hegseths Siegesfanfaren.
Was bedeutet das für die Weltlage?
Ein militärisch weiterhin handlungsfähiger Iran ist ein geopolitischer Faktor, der die ohnehin angespannte Lage im Nahen Osten weiter destabilisieren dürfte. Die Mullahs haben mit den mobilen Abschussrampen und ihren unterirdischen Bunkeranlagen offenbar bewiesen, dass auch eine westliche Militärsupermacht an asymmetrische Grenzen stößt. Wer geglaubt hatte, mit ein paar massiven Schlägen lasse sich ein Regime in die Knie zwingen, das seit Jahrzehnten auf genau dieses Szenario hin geplant hat, wird nun eines Besseren belehrt.
Für die Energiemärkte und insbesondere für die Straße von Hormus, durch die ein erheblicher Teil des weltweit transportierten Öls fließt, bedeuten diese Erkenntnisse nichts Gutes. Jede neue Eskalationsstufe könnte die Ölpreise nach oben treiben und damit auch die Inflation in Deutschland weiter anheizen. Eine Inflation, die ohnehin durch die Schuldenexzesse der Großen Koalition mit ihrem 500-Milliarden-Sondervermögen weiter befeuert wird.
Edelmetalle als Anker in unsicheren Zeiten
Genau in solchen Phasen geopolitischer Unsicherheit zeigt sich, warum physische Edelmetalle seit Jahrtausenden als Krisenwährung gelten. Während Politiker und Generäle ihre Narrative anpassen müssen, behält Gold seinen inneren Wert. Wer sein Vermögen breit gestreut absichern möchte, sollte über eine sinnvolle Beimischung physischer Edelmetalle nachdenken. In Zeiten, in denen selbst offizielle Erfolgsmeldungen mit Vorsicht zu genießen sind, bietet das gelbe Metall jene Beständigkeit, die politische Versprechen längst verloren haben.
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